Tür Nummer Fünfzehn

Ich bin so gut im Kinderkriegen
Ich bin so gut im Tüten schleppen
Ich bin so gut im Hintern wackeln
Ich kann auf hohen Schuhen gehen
Und dann sagt der Typ als Kompliment:
Für ’ne Frau, für ’ne Frau, für ’ne Frau – gut!

Das selbstbetitelte Erstlingswerk von Hans-A-Plast aus Hannover, 1979 erschienen, gehört neben AmokKoma von Abwärts zu den meistverkauftesten Punkalben der damaligen Zeit. Der Text des heutigen Videos steht stellvertretend für den Feminismus der Band. Ein weiteres Beispiel für weibliche Selbstbestimmtheit findet man in Hau ab Du stinkst.

Bis 1983 folgten zwei weitere Alben, die die Band selbst produziert und vertrieben hat. Im gleichen Jahr löste man sich auf, als Sängerin Annette Benjamin heiratete und für die Band das Thema Punk abgeschlossen war.

2018 stand Annette Benjamin zusammen mit Razor Smilez auf der Bühne des Höhnie-Festivals und gab zum ersten Mal nach 35 Jahren wieder eine handvoll Hans-A-Plast-Klassiker zum Besten.

Um wen geht es heute?

Im Westen der Republik ist das namensgebende Landschaftsmerkmal der gesuchten Post-Hardcoreband gar nicht zu finden. Dafür hat das Trio einen Sound gefunden, der sie in den letzten sieben Jahren zu einer der besten Bands des Landes gemacht hat.

Tür Nummer Vierzehn

Preserve life through loathing
Awaken hope with hatred
Wrest insight from outrage

This is a birthright and obligation

Shai Hulud sind Sandwürmer aus der Dune-Reihe von Frank Herbert und eben auch eine Metalcoreband aus den USA. Shai Hulud bezeichneten ihre Musik einst selbst als Metalcore, wollen da heute aber nicht mehr hingeschoben werden. Das verwundert nicht, passen sie doch nicht wirklich zum Rest der Szene. In die Hardcore- oder Metalwelt passen sie auch nicht so recht und so existieren sie irgendwo dazwischen. Apropos zwischen, zwischen zwei Alben liegen bei Shai Hulud nicht selten 5 Jahre oder mehr. Ebenso zwischen ihren Touren und wenn man sie mehr als einmal sieht erkennt man außer Matt Fox meist keinen wieder, weil die restliche Band komplett getauscht wurde.

Um wen geht es heute?

Unsere heutige Zeitreise führt in die Stadt der Chaostage zu einer Band, die aufgrund ihres Namens erstaunlicherweise nie Probleme mit einem großen Hamburger Konzern bekam. Textlich machten sie mit den Themen Feminismus und Sexualität auf sich aufmerksam und gehörten von den Verkaufszahlen her zu den erfolgreichsten Punkbands ihrer Zeit.

Insgesamt existierte die Band aber nur wenige Jahre bis in die frühen 1980er und fand ihr Ende als die Sängerin heiratete.

Tür Nummer Dreizehn

I was taken out
Before the labor pains set in and now
Behold the world’s worst accident
I am the girl anachronism

The Dresden Dolls beschrieben sich mal als “Brechtsches Punk-Cabaret” und ich finde das passt ziemlich gut, wie man beispielsweise in diesem Live-Mitschnitt ihres 2016er Konzertes auf Coney Island (New York) sehen und hören kann. Nach 4 Alben von 2003 bis 2008 legte die Band eine Pause ein und Sängerin Amanda Palmer widmete sich ihrer Solo-Karriere, die nicht nur aus Musik, deren Veröffentlichung teilweise durch Crowdfunding realisisert wurde, sondern auch einer Autobiographie besteht. Sie ist sehr stark auf Twitter aktiv und setzt sich sehr stark für Frauenrechte ein. 2011 heiratete sie den Schriftsteller Neil Gaiman, mit dem sie seit 2015 ein gemeinsames Kind hat.

Trotz Veröffentlichungspause gab es zwischendurch immer mal wieder ein paar Konzerte (s.oben) und die Band verkündete in diesem Jahr, dass sie an neuem Material arbeiten würde.

Um wen geht es heute?

Wenn man Alben schon mit seiner Verachtung für die Menschheit betitelt, muss das Leben selbst für Wüstenwürmer schwierig sein. Dabei haben sie doch ursprünglich den Metalcore mit erfunden, auch wenn ihre Musik heute nicht mehr so genannt werden soll.

Tür Nummer Zwölf

I think you saw me confronting my fear,
It went up with the bottle and went down with the beer
And I think you ought to stay away from here
There are ghosts in the walls
And they crawl in your head through your ear.

Die Hinweise zu The Wave waren wohl doch recht eindeutig. Jordan Dreyer sagte bei Caught in the Crossfire darüber

The name has no particular meaning really, although it makes for hilarious water-related puns. Really, it’s something fun for all of us – like being part of a cool club in your neighbour’s treehouse when you were a kid. It came about because we’re all friends and we all care deeply about music and the community of music, and because we care about each other’s art, so it just made sense.

Die Jungs die im Baumhaus abhängen, gehören den Bands La Dispute, Defeater, Pianos Become the Teeth, Touché Amoré und Make Do and Mend an. Spätestens bei experimentierfreudig, sollte dann klar gewesen sein, dass es sich um La Dispute handelte. Die Band aus Michigan erfindet sich auf jedem Album neu. Das ist für Fans der klassischen Hardcore/Punk-Schule zu viel. Da wird mit Spoken Word und Jazz und Blues experimentiert, es klingen Post-Rock-Anleihen durch. Es scheint fast kein Genre sicher. Was ambitioniert ist und bei so mancher Band schiefging, war bei La Dispute bisher stets von Erfolg gekrönt. Man darf gespannt sein wie es weitergeht.

PS: Nach dem verlinkten Video unbedingt den Folgetrack Said The King To The River anhören.

Um wen geht es heute?

Heute wird es kontrovers. Wenn es sowas wie Arthouse-Punk gibt, dann ist es die Musik der zwei deren Band wir heute suchen. Ja, ihr habt richtig gelesen: diese Band hat “nur” zwei Mitglieder*innen. Aber vermutlich sind es nicht die beiden an die ihr gerade denkt.

Denn auch wenn vielleicht mal eine Gitarre auftaucht, so sind die primären Instrumente Schlagzeug und Keyboard. In den letzten Jahren gab es zwar keine Alben als Band, dennoch war die Dame an den Tasten in der Zwischenzeit nicht untätig und veröffentlichte mehrere Solo-Alben. Ferner heiratete sie einen Schriftsteller und bekam mit ihm zusammen ein Kind.

Tür Nummer Elf

Samstag Abend, Irrenanstalt
Der KGB im deutschen Wald
Sonntag, da ist alles tot
Im Golf von Mallorca der Weltkrieg droht

Abwärts großer Hit Computerstaat wurde u.a. von Westbam und den Toten Hosen gecovert, aber die Verbindung zu letzteren besteht auch über deren Totenkopf-Label bei dem sie eine zeitlang unter Vertrag standen.

Die Verbindung zu den Einstürzenden Neubeuten wiederum besteht über Gründungsmitglied FM Einheit, der bei beiden Bands für Perkussions zuständig war.

2004 war es Rodrigo González von den Ärzten, der Frank Z. überredete Abwärt nach deren (zweiten) Auflösung 1995 wieder aufleben zu lassen. Seitdem haben sie eine handvoll Alben veröffentlicht; das aktuellste mit dem Titel “Smart Bomb” ist von 2018.

Um wen geht es heute?

Mir ist schon klar, dass man sich vortrefflich streiten kann, ob diese Band wirklich in den Punkventskalender gehört. Kaum jemand hat sich in den letzten Jahren so experimentierfreudig gezeigt wie die Herren aus dem Great Lakes State. Sie gehören zusammen mit vier anderen Bands zu einer Gruppe, deren Name suggeriert, dass sie über alles hinwegrollen können. Was als Insiderjoke begann, entwickelte schnell eine Eigendynamik auf der nun auch andere surfen.

Tür Nummer Zehn

Kaputt gesoffen gibt es nicht, es gibt nur nüchtern oder dicht (nicht?), mit Alkohol ist jeder Tag ein Fest
Besoffen in der Ecke liegen, nix mehr auf die Reihe kriegen
so scheißen wir gemeinsam auf die Welt

Knochenfabrik aus Köl-Porz entstanden 1994 aus der Schülerband Die Klainen Strolche. Bereits 1998 löste sich das Trio auf, nicht ohne mit dem Album Ameisenstaat bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Seit 2008 gibt es die Band wieder. 2011 gab es sogar eine neue EP. Abgesehen davon spielen sie mal mehr und mal weniger Konzerte. Der fehlende Plattenoutput dürfte wohl auch der Grund sein, warum sie in jüngeren Kreisen ein wenig in Vergessenheit geraten.

Um wen geht es heute?

Die Geschichte der in Hamburg gegründeten Band, von der allein der Sänger geblieben ist, besteht aus 3 Phasen und hat Berührungspunkte mit den Einstürzenden Neubauten, den Toten Hosen, als auch den Ärzten (aus Berlin).

Ihr bekanntestes Lied liegt mittlerweile in der 3. Fassung vor und hat, obwohl erstmals 1980 veröffentlicht, nichts von seiner Aktualität verloren, auch wenn einige politische Eckpunkte an die Gegenwart angepasst werden mussten.

Tür Nummer Neun

Butcher Baby
Dressed Up In Red
Butcher Baby
Messed In Your Head
Butcher Baby
Go Out At Night
Butcher Baby
Turn Out The Light

Die Konzerte der Plasmatics müssen zu ihrer Zeit etwas ganz spezielles gewesen sein. Sängerin Wendy Williams trug zum Einen einen sehr markanten Iro, zum Zweiten gerne nur Rasierschaum als Oberbekleidung und zum Dritten hantierte sie auf der Bühne leidenschaftlich gerne mit einer Motorsäge, um Gitarren zu zerteilen oder Autos auf der Bühne mit Vorschlaghämmern zu berarbeiten.

Als sich The Plasmatics 1983 trennten nahm sie ein von Gene Simmons (KISS) produziertes Solo-Album auf, das aber nicht wie erhofft einschlug.

1987 wurden die Plasmatics nochmal für ein post-apokalyptisches Konzept-Album in Form eines Metal-Musicals wiederbelebt. Wendy Williams starb 1998 im Alter von 48 Jahren.

Um wen geht es heute?

Die gesuchte Deutschpunkkombo entsprang einer Schülerband. Wir befinden uns in der Mitte der 90er Jahre. Ihr Dasein ist nur von kurzer Dauer aber so nachhaltig, dass man sie auch ein Jahrzehnt nach ihrer Auflösung, also im Jahr ihrer Reunion, zu den wichtigsten Vertretern der vorangegangenen Dekade zählen. Ob man sie heute noch so einordnen würde? Womöglich. Es scheint jedoch als wären sie ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei läuft ihr bekanntestes Lied noch immer in Umbaupausen. Kein Wunder, ist es doch eine Lobpreisung auf übermäßigen Alkoholkonsum und den nutzte so mancher Punk in den 90ern genauso wie heute um der Knochenmühle des Alltags zu entkommen.

Tür Nummer Acht

You ignored all the signs and now its wrecking your life
Well that’s consequence
What you do has finally run you through
Well that’s consequence for you

Betrayed fanden sich im Herbst 2004 zusammen. 2005 folgte eine erste EP mit der sie bereits auf Tour waren. Im folgenden Jahr veröffentlichten sie ihr erstes Album. 2010 gab es einen neuen Track, zu einem weiteren Album kam es aber nicht. Er wurde am Ende mit drei weiteren auf eine EP gepresst. Dennoch versank die Band danach irgendwie in der Versenkung. Sänger Aram Arslanian und Schlagzeuger Todd Preboski spielten vorher bereits bei Champion zusammen. Sicher kein Nachteil um sich direkt Gehör zu verschaffen wenngleich ihre Musik gar kein Vitamin B brauchte.

Um wen geht es heute?

Die Dame, die bei der heute gesuchten Band das Mikrofon bediente, war eine wahre Skandalnudel – das Auftreten in teilweise sehr spärlicher Kleidung brachte ihr immer wieder Probleme mit der Staatsmacht ein. Desweiteren liebte sie es während der Auftritte ihrer Zerstörungswut nachzugehen, während die Band ihre wilde Mischung aus Punk und später auch immer mehr Metal spielte.
Insgesamt überlebte die Band die 1980er Jahre aber nicht und auch die Solokarriere der Sängerin war nur von kurzer Dauer.

Tür Nummer Sieben

Ihr wollte eine Leitkultur?
Wir bieten euch unsere an:
Frieden ist gerecht und alle sind ihm untertan.

Hätte ich Rügen gleich genannt, wäre es wohl allen sofort klar gewesen, dass hier nur COR gemeint sein kann. Auf Snack platt orrer stirb! haben sie einige ihrer Lieder kurzerhand ins rügener Platt übersetzt und vertont.

Es lohnt übrigens sich neben dem brachialen Sound der Jungs auch mal den sanfteren Tönen die Sänger Friedemann mit seiner Gitarre auf seinen Solo-Alben anschlägt zu widmen. Da steckt ebenfalls viel Herz und Gefühl drin.

Um wen geht es heute?

Bier beiseite. Wir bewegen uns in Straight Edge-Gebiet. Die US-Amerikaner waren, wie in Hardcoregefilden nicht unüblich, vorher bei anderen Bands unterwegs.Ihr neues Projekt fand durchaus Anerkennung und das einzige Album wurde direkt auf einem großen Label veröffentlicht. Kein Wunder, präsentierten sich Sänger und Schlagzeuger im Vorhinein doch als echte Sieger. Sie wollten etwas langfristiges. Am Ende verlief sich die Geschichte im Sand. Von einem Nachfolgewerk ging lediglich ein Track in die Öffentlichkeit. Was aus ihnen wurde? Ich weiß es nicht aber ich fühle mich betrogen.

Tür Nummer Sechs

I close my eyes and cover my ears
I don’t read the papers
Dont watch the news
I raise my glass and say ‚cheers‘
Cause we’re living in a perfect world!

Ich möchte als erstes um Vergebung bitten. In meinem Kopf wirkte das Rätsel relativ eindeutig. Es war es ganz offensichtlich nicht. Im Folgenden also eine etwas andere Lösung als ihr sie gewohnt seid.
Gesucht waren  The Baboon Show, die ihren Namen wählten, weil die schwedische Regierung unter Göran Persson sich in ihren Augen wie eine Horde wilder Paviane (engl. Baboons) aufführte. Man könnte es also auch einen Affenzirkus nennen. Die Auftritte sind dafür bekannt, dass Sängerin Cecilia Boström auf der Bühne, egal ob schwanger oder nicht, eine unfassbar energiegeladene Show abliefert.
Nun zu euren Lösungsvorschlägen. Ich muss gestehen, dass ich beim Schreiben des Rätsels Affenmesserkampf nicht auf dem Schirm hatte. Ja, auf die passt das Rätsel wohl auch, wenngleich ich keine Ahnung habe, wie sie live sind. Millencolin waren hinter Tür Nummer 13 im Punkventskalender 2017. Auch die Gorilla Biscuits waren bereits im Punkventskalender, Tür Nummer 2 im Jahr 2018. Davon abgesehen liegt New York auf Höhe Roms. Das ist nun wirklich nicht im Norden. Dass die Arctic Monkeys sicher toll auf die Beschreibung passen, aber falsch sein müssen, sollte sich aus dem Widerspruch Punkventskalender und Indieband ergeben.
Ursprünglich wollte ich noch etwas mit Affenhintern ins Rätsel schreiben. Ich weiß nicht ob es das besser gemacht hätte. Aber ich verspreche: Die nächsten Rätsel werden wieder eindeutiger.

Um wen geht es heute?

Die deutschsprachige Musik der Jungs von der Insel ist amtlicher Hardcore, herausgebraucht auf dem bandeigenen Label. Die ungewöhnlicheste Veröffentlichung in ihrer Discografie dürfte dabei ein komplett in ihrem lokalen Dialekt, der streng genommen eine eigene Sprache ist, aufgenommes Album sein.
Wenn er nicht als Musiker, sei es mit Band oder Solo-Liedgut, unterwegs ist, betreibt der Sänger einen Bauernhof in seiner Heimat.