Tür Nummer Drei

A very Merry Christmas
And a happy new year
Let’s hope it’s a good one
Without any fear

Hi-Standard aus Japan sind auf dem internationalen Markt das erste Mal mit zwei Beiträgen, davon eine Cover-Version von California Dreamin’, auf der Fat Wreck Records-Kompilation Survival of he Fattest aufgefallen. Nach einer handvoll Alben und EPs von 1996 bis 2001, darunter eine Weihnachts-Split EP mit WIZO (Weihachten stinkt!) folgte eine lange Auszeit, in der sich die drei Mitglieder anderen Musik-Projekten widmeten; Gitarrist Ken Yokoyama betreibt u.a. das Label Pizza of Death.

2016 und 2017 folgten dann plötzlich zwei neue Alben. Doch seit dem Ende ihrer 2018er Tour ist es wieder ein weniger stiller um Hi-Standard geworden. Als offiziell aufgelöst gelten sie aber nicht.

Um wen geht es heute?

Die Texte der heutigen Band sind von einer markaberen und schaurigen Prägung. Womöglich wird der Drang melancholisch über Alkohol, Depressionen und Kummer zu schreiben mit der kalten Luft aus Kanada über den See in ihre Heimatstadt geweht. Ob das auch der Grund dafür ist, dass sie ihrem Sound seit fast 20 Jahren so stur treubleiben, dass man die Albenreihenfolge wohl würfeln könnte und es keinem auffallen würde? Man weiß es nicht. Eins bleibt am Ende jedoch festzuhalten. Wenn eine Band seit über zwei Jahrzehnten auslaugt, muss sie schon sehr inert sein, wenn sie immer noch da ist.

 

Tür Nummer Eins

Um wen geht es heute?

Die erste Band des Punkventskalenders 2019 könnte kaum passender sein, hat sie die frühen Jahre des deutschen Punk doch maßgeblich geprägt. Ihr Logo hat wohl jeder schon mal auf einer Kutte gesehen. Sie verunglimpften Staatsangestellte als eine Kreuzung zweier Nutztiere und wurden in einem Urteil selber mit einem der bedeutendsten deutschen Dichter verglichen.

Oi!sternest Sieben

Was a sunny day in a Munich stadium
All the beer in Munich can’t console them
As Oliver hit the turf
It was English football’s birth
It was their biggest loss since 1931
England 5, Germany 1
Michael Owen is number 1

1979 gegründet, hatten The Business ihre erste Glanzzeit in den 1980er Jahren. Skinheads hatte es schwer in der Zeit, sie galten, u.a. wohl auch wegen des Wilderns der National Front in der Szene, als rechts, doch die Band hat sich früh klar gegen Rassismus und andere politische Extreme positioniert.

Es ist ein wenig schwer zu durchschauen, wie oft sich die Band auflöste und neu zusammenkam, gesichert ist, das sie 2001 mit „England 5 Germany 1“ einen veritablen Hit in der Fußball-Szene hatten und haben, nachdem die Three Lions die Deutsche Nationalmannschaft am 1.September 2001 in München mit 5:1 in der WM-Qualifikation besiegten.

2016 starb Micky Fitz, Sänger und Gründungsmitglied von The Business, an Krebs.

Was liegt heute im Nest?

Obergärig wirds gebraut
Durch Himbeer dann versaut

Manch einer färbt es lieber Grün
Vielleicht ists schöner anzusehen?

Nach reichlichem Genuss
Wars als Bandname ein Muss

Oi!sternest Fünf

New York belongs to me
A city’s pride the dirty water on the Hudson river
No one can take away the memory
Oh Oh, New York belongs to me

Agnostic Front gelten als einer der Begründer des New York Hardcore. Frontmann Roger Miret hat nebenbei aber auch noch andere Projekte laufen, wovon Roger Miret & The Disasters wohl das bekannteste sein dürfte. Gespielt wird hier klassischer amerikanischer Streetpunk mit Oi-Einschlag, gepaart mit der unvergleichlichen Stimme des Agnostic Front-Mannes. Auf ihrem ersten Album gibt es dann auch eine große Verneigung vor Cock Sparrer, die zur ersten Garde des Oi gehören, deren „England belongs to me“ auf New York umgeschrieben wurde.

Was liegt heute im Nest?

Sie kam auf die Bühne
und stahl so die Band
nur ihr Gesang hat noch gefehlt.

Auch ganz ohne Fristen
kam dann der Ruhm
dank ihres Gesangs, oh welche Fortun.

Oi!sternest Drei

And we’re running down the backstreet
Oi! Oi! Oi!
And we’re running unafraid
Oi! Oi! Oi!
Cause we all know that that’s the sound of the streets

Mit einem Lied gleich mal dem ganzen Genre einen Namen verpassen, das ist der Verdienst der 1978 von den Brüdern Geggus gegründeten Cockney Rejects aus London. Als glühende Fans von West Ham United lag es da auch Nahe, die Hymne des Klubs „I‘m forever blowing bubbles“ aufzunehmen. Auch ansonsten waren sie textlich in der Nähe des Fußballs beheimatet, allerdings besang man eher die Dritte Halbzeit, denn viele ihre Lieder handeln von Hooliganismus und Straßenschlägereien.

Was liegt heute im Nest?

Wohnhaft hier am größtem Fluss
Musikalisch gegen rechten Stuss
Anfangs noch im Oi-Gewand.

Gemästet oder doch gebraten,
Längst schon ist der Stil verraten.
In den Charts sind sie nun bekannt.

Oi!sternest Eins

Finnisch geschimpft
Englisch gesungen
In Wahrheit Schwedens Metal entsprungen.

Das Trio nicht arisch
Die Musik bunt gemischt
Und trotzdem am rechten Rand gefischt?

Oi! Oi! Oi!stern!

Wir sind wieder da und das weit vor Weihnachten. Moment, da ist doch irgendwas faul. Wir haben es bereits in der Auflösung des letzten Punkventskalendertürchens angekündigt und wer es mittels Weihnachtsvöllerei nicht aus seinem Gedächtnis verdrängt hat, ist nun auch nicht überrascht. Wir widmen uns dieses Jahr erstmalig einem weiteren Fest. Ostern.

Herzlich Willkommen zur ersten Ausgabe der Oi!sternester.

Tim und ich werden euch mit acht kleinen Rätseln rund um die Genres Oi und Streetpunk beglücken. Von Palmsonntag bis zum Ostersonntag wartet jeden Tag eine kleine Grübelei in Reimform auf euch. Die Rätsel folgen keinem einheitlichen Versmaß, Reimschema oder dergleichen. Wir wollten uns einfach ein wenig ausprobieren. Habt also ein wenig Nachsicht mit uns.

Uns ist bewusst, dass das Genre ein Stigma und Problem mit sich bringt und haben uns bemüht in der Auswahl gewisse Bands auszuklammern. Es ist jedoch so, dass man bei gefühlt jeder zweiten Oi!-Band von Google „rechts“ oder „Nazis“ als Ergänzungsvorschläge und sicher auch einen Eintrag dazu bekommt. Wir werden eventuelle Debatten und Diskussionen rund um die Bands nicht verschweigen und ihnen in den Auflösungen den nötigen Raum einräumen.

In diesem Sinne

Oi oi oi fucking oi! und viel Spaß!

Felix und Tim

Tür Nummer Vierundzwanzig

You better watch out you better not cry
You better put out records DIY
Cause it’s not what you’ve done it’s what you’ve been
If you fuck up I’m telling Tim

Gibt es Menschen die Punkrock hören und NoFX nicht kennen? Ihr Humor ist zugegebenermaßen oftmals sehr pennälerhaft, aber ihre Konzerte eigentlich immer sehr unterhaltsam. Die einzig andere Band, die auf der Bühne so viel Quatsch macht und Blödsinn erzählt sind vermutlich Die Ärzte. Im Mai diesen Jahres aber hätten sie sich aber mal etwas zügeln sollen, denn bei einem Auftritt in Las Vegas merkten sie an, das der Anschlag auf das Country Festival 2017, bei dem 58 Menschen getötet und 851 verletzt wurden, schrecklich gewesen wäre, aber immerhin seien ja „nur“ Country-Fans und keine Punkrocker erschossen worden. Als unmittelbare Folge darauf zog sich ein Hauptsponsor ihres eigenen Festivals zurück und die Band sagt, das sie seitdem quasi Auftrittsverbot in ihrem eigenen Land habe. Immerhin gestanden sie ein, das es geschmacklos von ihnen war sich so zu äußern.

Sänger Fat Mike betreibt seit vielen Jahren mit Fat Wreck Chords ein eigenes Label, das die eigenen Alben, aber aich viele andere Künstler, wie zB Fabulous Disaster, herausbringt. Eine Besonderheit ist dabei, das sie immer nur 1-Albumverträge mit den Bands abschließen, so dass sich diese nicht unter Drock gesetzt fühlen müssen und jederzeit die Chance haben zu einem anderen Label zu gehen.

Um wen geht es heute?

Eines ihrer Plattencover wurde zum hässlichsten aller Zeiten gewählt. Skandal. Waren sie doch laut eigener Aussage, ein Jahrzehnt vor ihrer Gründung, in den 80ern eine legendäre Band. Wäre man sich nicht sicher, dass die ganze Geschichte Satire pur ist, würde man wohl von einer der sexistischsten Bands aller Zeiten reden. Obwohl manche Lieder auch von einer Frau gesungen werden. Es ist verwirrend. Die Homepage der Band ist im Stile der späten 90er gehalten und wirft passenderweise im Mythen und Legenden-Frage-Antwort-Spiel nur noch mehr Fragen auf als sie beantwortet. Wieso Jan Böhmermann sie nicht für seinen „Eier aus Stahl“-Beitrag auswählte, bleibt ein ebenso großes Fragezeichen. Es hätte doch so nahe gelegen.

Tür Nummer Zweiundzwanzig

There’s a little bit of springtime in the back of my mind
Remembers when there was a time when we danced
And we laughed spent some time drinking wine
And somewhere in there there’s a little child without a thought
Without a doubt that every cloud is silver lined

Leatherface (benannt nach einer Figur aus Tobe Hoppers The Texas Chainsaw Massacre) werden so oft als eine Mischung aus Hüsker Dü und Motörhead beschrieben, das sie sich wahrscheinlich ärgern auf einen Umlaut in ihrem Namen verzichtet zu haben. Der Vergleich mit Motörhead beruht dabei vermutlich primär auf der prägnanten rauhen Stimme von Sänger und Gitarrist Frankie Stubbs, die teilweise schon ein wenig an Lemmy erinnert. 2015 starb mit Dickie Hammond die andere Gitarre bei Leatherface im Alter von nur 50 Jahren und damit wohl auch Leatherface. Frankie Stubbs tritt noch gelegentlich Solo auf, und spielt dabei auch Lieder seiner alten Band, und ist immer mal wieder Teil anderer Projekte. Franz Nicolay wiederum schrieb über Frankie Stubbs‘ Tears.

Mit Hot Water Music teilten sich Leatherface 1999 eine LP und es heißt, das sie sie sehr beeinflußt haben.

Um wen geht es heute?

Wir suchen eine Band, die nie von ihren Auftritten leben konnte und das vielleicht auch nicht wollte. Womöglich haben sie sich auch deswegen nach einem Ereginis benannt, an dem der Kapitalismus kollabierte. Dennoch waren sie eine der Vorzeige-Hardcore-Bands des Landes und eroberten vom Ruhrpott aus neun Jahre lang die Szene mit unglaublicher Liveenergie.

Tür Nummer Zwanzig

Freitag Nacht wird Silvio ermordet,
von stolzen Deutschen, die sich später selber stellen.
Woanders zünden NF’ler einen Mann an,
und am Sonntag Brandanschlag in Mölln.
3 türkische Menschen verbrennen,
„Heil Hitler“ schreit so’n Schwein durch‘s Telefon,
wahrscheinlich unpolitische Taten,
von Einzeltätern, das kennen wir doch schon.
Scheißrassisten, Nazipack, Blut und Ehre, widerlich!

Ich gebe zu, das es diesmal sehr schwer war, zumal ich in keinster Weise einschätzen kann, wie (un)bekannt dieser Künstler ist. Eine zusätzliche Erschwerung mag die unglückliche Übersetzung von verrückt für „weird“ sein, sowie die Tatsache, das ich Yok Quetschenpaua in meiner Erinnerung ein Bandoneon hab spielen sehen. Dadurch ergab dann der Hinweis auf Weird Al Sinn, da Yok aber ebenfalls Akkordeon (dem großen Bruder des Bandoneons) spielte wiederum weniger. Ich kann mich für diese Verwirrung nur entschuldigen, auch wenn der eine oder andere ihn dennoch korrekt erraten hat.

Yok war unter diesem Namen eigentlich nur in 90ern aktiv und anschließend bei verschiedenen Projekten beteiligt. Er fährt Taxi in Berlin und darüber ein Buch veröffentlicht.

Mea culpa. Die anderen Rätsel sind wieder einfacher.

Um wen geht es heute?

Sie coverten einen schwedischen Elektropophit, drehten dazu eigenständig ein Video und landeten damit sogar bei MTV. Als Punk, und sie waren nie was anderes, sicher nicht so massentauglich war wie heute, schafften sie es 1995 sogar in die Charts. Viele Konzerte, Demoauftritte und ein paar kaputte Kameras später kam die Auflösung. Natürlich war diese nicht von Dauer. Weiter ging jedoch nicht in Originalbesetzung. Das war für das Trio, das mal als Quartett begann, aber ohnehin schon lange ein Fremdwort. Immer wieder wurde munter durchgemischt. Nur der singende Gitarrist ist immer noch da. Wieso eigentlich?