Tür Nummer Achtzehn

But I’m happy the way I am, like a sardine in can
People taking notes, people in white coats

I’m a sick boy, and there’s no cure
I’m a sick boy, there should be more

Der Großteil von euch lag richtig. Es ging um Charged GBH oder auch nur GBH. Die Männer um Colin Abrahall spielten 1982 mit City Baby Attacked by Rats vier Jahre nach ihrer Gründung ihr Debütalbum ein, das direkt Platz 17 der UK Album Charts erreichte. Die Band wechselte im Laufe ihrer Karriere zwar dreimal den Drummer und bereits nach den ersten beiden Shows den Bassisten, hat sich somit aber auf drei von vier Positionen seit fast 40 Jahren nicht verändert. Aus diesem Grund konnte The Exploited ebenso wenig wie UK Subs die richtige Lösung sein. Beide wechselten massenhaft Bandmitglieder aus und haben außer dem Sänger kein Mitglied der Anfangsjahre mehr in ihren Reihen. Auf The Adicts hingegen trifft das freilich sogar noch mehr zu als auf GBH. Aber bei ihnen fehlt, wie bei den anderen beiden auch, die angedeutete Gewalt im Bandnamen. GBH – Grievous bodily harm hierzulande besser bekannt als gefährliche Körperverletzung.

Um wen geht es heute?

Es ist Zeit für Emopunk aus Hamburg, gespielt von einer Band, die den Namen einer Cartoonserie aus den 1990ern trägt. Und mehr muss man eigentlich nicht wissen, um dieses Rätsel zu lösen.

Tür Nummer Siebzehn

If you knew the future of
Exactly what lies ahead
Would you change a bit or still let it lead you by the wrist?

Aus Gainesville kommen nicht nur Hot Water Music (oder auch Against me!, welche allerdings nur 2 Wörter im Bandnamen haben), sondern auch Less Than Jake, die seit mittlerweile 26 Jahren Punkrock mit Blasinstrumenten kombinieren.

Vinnie Fiorello, Gründungsmitglied von Less Than Jake und seit Oktober 2018 Ex-Drummer, rief 1996 zusammen mit John Janick das Label Fueled by Ramen ins Leben. Darauf veröffentlichte nicht nur die Band selbst ein paar Alben und EPs, sondern u.a. auch Genregrößen wie Jimmy Eat World, Fall Out Boy oder Dashboard Confessional.

Um wen geht es heute?

Die gesuchten Briten sind echte Urgesteine und gelten als Pioniere des Streetpunk. Ohne ein Album herausgebracht zu haben tourten sie durch England und die USA. Dafür enterte ihre erste LP direkt die britischen Albumcharts. Das ist aus heutiger Sicht irgendwie schwer zu glauben. Sie sind nach über 40 Jahren noch beinahe in Originalbesetzung unterwegs und trotzdem fallen sie immer ein wenig unter den Tisch. Zu hart, zu kompromisslos und verglichen mit dem Bandnamen dann doch eigentlich ganz sanft.

Tür Nummer Sechszehn

Bleibt stehen
trotzt der braunen Pest
um Kopf und Kragen
Wer, wenn denn nicht wir?

Gesucht waren die von gefühlt allen geschätzten Fjørt, die bisher tatsächlich nur in der Auflösung zu Tür Nummer 17 im Jahr 2018 vorkamen. Fjørt haben mit ihrem düsteren Sound und klaren Texten die Szene im Handumdrehen erobert und eine Lücke besetzt von der viele wohl nicht mal wussten, dass sie existiert. Bemerkenswert ist die Labelwahl bei der Veröffentlichung der letzten beiden Alben. Diese erschienen bei Grand Hotel van Cleef, das vor allem für den Release von Kettcar, Thees Uhlmann und Co bekannt ist.

Um wen geht es heute?

Felix und ich hatten das große Vergnügen die heute gesuchte Herren aus dem Rentnerstaat Florida letztes Jahr gemeinsam live gesehen zu haben. Ihre Heimatstadt, die sie auf einem ihrer Frühwerke besingen, wurde an dieser Stelle schon mal im Zusammenhang mit einer anderen Band erwähnt, welche musikalisch aber weniger auf den Ska Punk-Pfaden unterwegs ist.
Beiden Gemein ist jedoch ein Name aus drei Wörtern.

Tür Nummer Fünfzehn

Ich bin so gut im Kinderkriegen
Ich bin so gut im Tüten schleppen
Ich bin so gut im Hintern wackeln
Ich kann auf hohen Schuhen gehen
Und dann sagt der Typ als Kompliment:
Für ’ne Frau, für ’ne Frau, für ’ne Frau – gut!

Das selbstbetitelte Erstlingswerk von Hans-A-Plast aus Hannover, 1979 erschienen, gehört neben AmokKoma von Abwärts zu den meistverkauftesten Punkalben der damaligen Zeit. Der Text des heutigen Videos steht stellvertretend für den Feminismus der Band. Ein weiteres Beispiel für weibliche Selbstbestimmtheit findet man in Hau ab Du stinkst.

Bis 1983 folgten zwei weitere Alben, die die Band selbst produziert und vertrieben hat. Im gleichen Jahr löste man sich auf, als Sängerin Annette Benjamin heiratete und für die Band das Thema Punk abgeschlossen war.

2018 stand Annette Benjamin zusammen mit Razor Smilez auf der Bühne des Höhnie-Festivals und gab zum ersten Mal nach 35 Jahren wieder eine handvoll Hans-A-Plast-Klassiker zum Besten.

Um wen geht es heute?

Im Westen der Republik ist das namensgebende Landschaftsmerkmal der gesuchten Post-Hardcoreband gar nicht zu finden. Dafür hat das Trio einen Sound gefunden, der sie in den letzten sieben Jahren zu einer der besten Bands des Landes gemacht hat.

Tür Nummer Vierzehn

Preserve life through loathing
Awaken hope with hatred
Wrest insight from outrage

This is a birthright and obligation

Shai Hulud sind Sandwürmer aus der Dune-Reihe von Frank Herbert und eben auch eine Metalcoreband aus den USA. Shai Hulud bezeichneten ihre Musik einst selbst als Metalcore, wollen da heute aber nicht mehr hingeschoben werden. Das verwundert nicht, passen sie doch nicht wirklich zum Rest der Szene. In die Hardcore- oder Metalwelt passen sie auch nicht so recht und so existieren sie irgendwo dazwischen. Apropos zwischen, zwischen zwei Alben liegen bei Shai Hulud nicht selten 5 Jahre oder mehr. Ebenso zwischen ihren Touren und wenn man sie mehr als einmal sieht erkennt man außer Matt Fox meist keinen wieder, weil die restliche Band komplett getauscht wurde.

Um wen geht es heute?

Unsere heutige Zeitreise führt in die Stadt der Chaostage zu einer Band, die aufgrund ihres Namens erstaunlicherweise nie Probleme mit einem großen Hamburger Konzern bekam. Textlich machten sie mit den Themen Feminismus und Sexualität auf sich aufmerksam und gehörten von den Verkaufszahlen her zu den erfolgreichsten Punkbands ihrer Zeit.

Insgesamt existierte die Band aber nur wenige Jahre bis in die frühen 1980er und fand ihr Ende als die Sängerin heiratete.

Tür Nummer Dreizehn

I was taken out
Before the labor pains set in and now
Behold the world’s worst accident
I am the girl anachronism

The Dresden Dolls beschrieben sich mal als “Brechtsches Punk-Cabaret” und ich finde das passt ziemlich gut, wie man beispielsweise in diesem Live-Mitschnitt ihres 2016er Konzertes auf Coney Island (New York) sehen und hören kann. Nach 4 Alben von 2003 bis 2008 legte die Band eine Pause ein und Sängerin Amanda Palmer widmete sich ihrer Solo-Karriere, die nicht nur aus Musik, deren Veröffentlichung teilweise durch Crowdfunding realisisert wurde, sondern auch einer Autobiographie besteht. Sie ist sehr stark auf Twitter aktiv und setzt sich sehr stark für Frauenrechte ein. 2011 heiratete sie den Schriftsteller Neil Gaiman, mit dem sie seit 2015 ein gemeinsames Kind hat.

Trotz Veröffentlichungspause gab es zwischendurch immer mal wieder ein paar Konzerte (s.oben) und die Band verkündete in diesem Jahr, dass sie an neuem Material arbeiten würde.

Um wen geht es heute?

Wenn man Alben schon mit seiner Verachtung für die Menschheit betitelt, muss das Leben selbst für Wüstenwürmer schwierig sein. Dabei haben sie doch ursprünglich den Metalcore mit erfunden, auch wenn ihre Musik heute nicht mehr so genannt werden soll.

Tür Nummer Zwölf

I think you saw me confronting my fear,
It went up with the bottle and went down with the beer
And I think you ought to stay away from here
There are ghosts in the walls
And they crawl in your head through your ear.

Die Hinweise zu The Wave waren wohl doch recht eindeutig. Jordan Dreyer sagte bei Caught in the Crossfire darüber

The name has no particular meaning really, although it makes for hilarious water-related puns. Really, it’s something fun for all of us – like being part of a cool club in your neighbour’s treehouse when you were a kid. It came about because we’re all friends and we all care deeply about music and the community of music, and because we care about each other’s art, so it just made sense.

Die Jungs die im Baumhaus abhängen, gehören den Bands La Dispute, Defeater, Pianos Become the Teeth, Touché Amoré und Make Do and Mend an. Spätestens bei experimentierfreudig, sollte dann klar gewesen sein, dass es sich um La Dispute handelte. Die Band aus Michigan erfindet sich auf jedem Album neu. Das ist für Fans der klassischen Hardcore/Punk-Schule zu viel. Da wird mit Spoken Word und Jazz und Blues experimentiert, es klingen Post-Rock-Anleihen durch. Es scheint fast kein Genre sicher. Was ambitioniert ist und bei so mancher Band schiefging, war bei La Dispute bisher stets von Erfolg gekrönt. Man darf gespannt sein wie es weitergeht.

PS: Nach dem verlinkten Video unbedingt den Folgetrack Said The King To The River anhören.

Um wen geht es heute?

Heute wird es kontrovers. Wenn es sowas wie Arthouse-Punk gibt, dann ist es die Musik der zwei deren Band wir heute suchen. Ja, ihr habt richtig gelesen: diese Band hat “nur” zwei Mitglieder*innen. Aber vermutlich sind es nicht die beiden an die ihr gerade denkt.

Denn auch wenn vielleicht mal eine Gitarre auftaucht, so sind die primären Instrumente Schlagzeug und Keyboard. In den letzten Jahren gab es zwar keine Alben als Band, dennoch war die Dame an den Tasten in der Zwischenzeit nicht untätig und veröffentlichte mehrere Solo-Alben. Ferner heiratete sie einen Schriftsteller und bekam mit ihm zusammen ein Kind.